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| Mensch, Freizeit

Ein erstes Mal: Die Jungfernfahrt der Kulturtram

Veröffentlicht von Florian Benz

Exklusives Konzert in einer Straßenbahn

Immer einmal gibt es im Leben Momente, an denen man etwas zum ersten Mal erleben kann. Ein solcher Moment war die Fahrt der Kulturtram zum diesjährigen Nachtwandel am 26. und 27. Oktober in Mannheim. Bereits beim Zustieg am Tattersall wurde deutlich, dass hier einiges anders läuft: der vorderste Zugteil in ein violettes Licht getaucht und mit Boxen ausgestattet, zwischen den Sitzen steht eine waschechte Band und spielt. Die Bahn zuckelt los, ein Ausfallschritt des Sängers um sich zu stabilisieren und dann spielen sie ein Set von loungeartig reduzierten Songs – mitten in der Straßenbahn. Und die Fahrgäste hören schon nach den ersten Metern dem exklusiven Konzert gebannt zu. Was für ein Unterschied zum üblichen Fahren durch die Quadrate, bei dem jeder in seiner eigenen Kopfhörer- oder Zeitungsblase steckt!

Was ist passiert? Als „Kulturtram“ überschrieben fuhr eine unserer Straßenbahnen für die Dauer der beiden Nachtwandel-Abende quer durch die Mannheimer Quadrate. Sie funktionierte als fahrende Bühne, in die an allen Stationen ein- und ausgestiegen werden konnte, während sie eine sich wiederholende Schleife zwischen Jungbusch und Tattersall fuhr.

Musikalisch war die Jungfernfahrt der Gitarre verfallen

Zwischen beschwingtem Pop über die locker-lakonische Lebenslauheit der Mittzwanziger, düsteren Balladen-Duos mit rauchiger Stimme, einer Singer-Songwriter-Ein-Mann-Band mit kurpfälzisch geraunten Texten bis hin zu ironisch minimalistischem Surfpop mit Drummachine gab es ein breites Spektrum an Musik, in deren Auswahl  der neue Nachtbürgermeister Mannheims besonders eingebunden war. Für alle Beteiligten erwies sich die Auswahl als genau das Richtige in diesem Moment und entsprechend passten sich die Fahrgäste der Musik an: Viele tanzten ausgelassen vor der rockenden Band oder hörten an anderen Momenten ganz gebannt den ruhigeren Künstlern zu – die alle gemeinsam für ein großartiges Konzert in der ganz besonderen Atmosphäre der Kulturtram sorgten. Viele Gäste fuhren Runde um Runde mit der jeweils neuen Band weiter und genossen die ausgelassene Konzertstimmung in der Kulturtram.

Deutlich macht diese Fahrt, dass ÖPNV mehr sein kann, als nur der Dienstleister, der Menschen von Zuhause zu ihrem Konzertbesuch und wieder zurück bringt. Er kann zur Bühne werden und die Fahrt von A nach B selbst zum Erlebnis machen, er kann der Konzertbesuch sein und sich so in das Kulturangebot einfügen. Gerade für eine Veranstaltung wie den Nachtwandel, der ein großes kulturelles Angebot bietet, ist die Einbindung der Straßenbahn eine besondere Chance, Menschen im Komplettpaket zu unterhalten.  Daher ist es äußerst wünschenswert, die Fahrt einer Kulturtram zu wiederholen.

Infobox

Was sind Nachtwandel und Kulturtram?

Der Nachtwandel ist ein Kulturfest im Mannheimer Szenestadtteil Jungbusch, der zwischen Quadraten und Gewerbehafen liegt und einen hohen Einwohneranteil von Menschen mit Migrationshintergrund sowie Künstlern aufweist. Der Nachtwandel wurde von der Künstlergruppierung laboratorio17 2003 ins Leben gerufen, um den Jungbusch zu öffnen und die vielen Hinterhöfe mit Kunst und Leben zu füllen. Was lange ein Geheimtipp war,  ist mittlerweile zu einer überregional beliebten Veranstaltung geworden mit Kunst, Musik und einer Menge Kultur der verschiedenen Anwohner im Jungbusch.

Die Kulturtram ist ein Kooperationsprojekt zwischen Migrants4Cities, der Kulturellen Stadtentwicklung, dem Nachtbürgermeister Mannheim, den einander.Aktionstagen und uns  im Zuge des Nachtwandels, der am 26. und 27. Oktober zum 14. Mal im Mannheimer Stadtteil Jungbusch stattgefunden hat. Die Bahn fuhr Freitag und Samstag ab 19 Uhr im grob stündlichen Takt mit jeweils neuer Band ab der Haltestelle Tattersall los in Richtung Jungbusch und über die Quadrate zurück.


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