Gastautor
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am 12. Juli 2019

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Ein Gastbeitrag von Martin in der Beek (Technischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH).

Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH

Soll Heidelberg klimafreundlichen Nahverkehr verhindern?

Liebe Heidelberger Leser,

Sie alle sind dazu eingeladen, nein - sogar aufgefordert, am 21. Juli 2019 beim Bürgerentscheid Ihre Stimme abzugeben. Sie alle haben die Möglichkeit, an diesem Tag zu wählen. Und wir bitten Sie dringlich, von diesem demokratischen Mittel Gebrauch zu machen und sich an der Wahl zu beteiligen!

Denn wir brauchen Sie! Wir brauchen Ihre Solidarität und Ihre Unterstützung! Für unser Vorhaben, den Heidelberger Betriebshof vom jetzigen Standort in der Bergheimer Straße auf das Areal des Gewerbegebiets „Großer Ochsenkopf“ zu verlegen. 

Bürgerentscheid in Heidelberg am 21. Juli 2019

Am 21. Juli können Sie, gemeinsam mit allen in Heidelberg Wahlberechtigten, darüber abstimmen, ob wir die als Gewerbegebiet ausgewiesene Fläche „Großer Ochsenkopf“ tatsächlich mit einem neuen Betriebshof bebauen dürfen. Die Heidelberger Stadtpolitik hat uns dazu im Dezember 2018 per Gemeinderatsbeschluss die notwendige Zustimmung erteilt. 

Eine Bürgerinitiative aber macht sich jetzt stark dagegen und hat durchgesetzt, dass gegen unser Vorhaben und also gegen die Entscheidung Ihres Gemeinderates abgestimmt werden kann. Deshalb steht oder fällt mit diesem Bürgerentscheid jetzt alles! Denn dieser Bürgerentscheid beeinflusst die Entwicklung der rnv, Ihres Mobilitätsdienstleisters, und entscheidet darüber, wie sich der ÖPNV in den nächsten Jahrzehnten entwickeln kann! Der Betriebshof Heidelberg ist ein historischer Ort, er leistet schon seit 1902 treue Dienste, aber er ist einfach nicht mehr zeitgemäß und mittlerweile sogar weit davon entfernt, modern und zukunftsfähig zu sein. 

Seit Jahren kämpfen wir für moderne Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in Heidelberg, seit Jahren warten wir auf die Möglichkeit, einen neuen Betriebshof zu verwirklichen. Für einen modernen ÖPNV und für Menschen, die unter modernen Bedingungen einen modernen ÖPNV nutzen wollen und dabei einen stabilen Betrieb erwarten! Und ja, wir haben uns Gedanken darüber gemacht, ob wir den alten Betriebshof, auch unter Aufwendung enormer finanzieller Mittel, wieder ertüchtigen könnten. Und ja, wir haben auch zahlreiche Standortalternativen geprüft. Und mussten doch wieder alle verwerfen, weil sie unwirtschaftlich und im Alltag viel zu teuer wären, weniger zweckmäßig und weitab von unserem Schienennetz liegen würden. 

Planung Grüner Ochsenkopf

Alternativen gibt es nicht

Andere „freie“ Flächen, die ebenfalls Gewerbegebiete sind oder werden könnten, und einem neuen Betriebshof ausreichend Raum böten, gibt es in Heidelberg nicht mehr. Denn es ist nicht nur die Größe, sondern auch der Zuschnitt und die Lage des Geländes ausschlaggebend. Das immer wieder angesprochene „Airfield“ in Kirchheim ist, genauso wie der benachbarte Recyclinghof, zu abgelegen und ohne Straßenbahnanbindung. Eine Erschließung, auch in Kombination mit einer derzeit noch nicht gesicherten Anbindung des Patrick-Henry-Village, wird mindestens noch zehn Jahre neuer Planungen, neuer Debatten, zäher Genehmigungsverfahren und wahrscheinlich auch weiterer Bürgerentscheide bedeuten. Nicht zuletzt, weil jede Trassenvariante in das Privateigentum vieler Bürgerinnen und Bürger eingreifen würde. Und auch das Thema „Artenschutz“ ist beim Airfield noch gar nicht geprüft und nicht bekannt, was sich dort im Laufe der Zeit bereits angesiedelt hat. Der Hinweis, dort sei versiegelte Fläche einfach neu zu bebauen, greift zu kurz. Auf dem Gelände des Recyclinghofs müssten ebenfalls Flächen versiegelt werden.

Ein Neubau am Altstandort kann bei annähernd gleichen Baukosten niemals über die Kapazität verfügen, die wir in den nächsten Jahrzehnten brauchen werden und wäre somit kein wirklicher Fortschritt. Zudem würde während der Bauzeit über Jahre hinweg kein vollwertiger Betriebshof in Heidelberg zur Verfügung stehen. Ein reibungsloser ÖPNV, geschweige denn Angebotsverbesserungen, wären also während der gesamten Bauzeit ausgeschlossen. Wenn wir allerdings auf das Gewerbegebiet am Ochsenkopf umziehen können, wenn wir also - wie vom Gemeinderat längst beschlossen -  auf der jetzt brachliegenden Fläche einen ökologisch nachhaltigen Betriebshof errichten können, dann bedeutet das Fortschritt! 

Wir haben jetzt - und zwar wirklich nur noch jetzt - die Chance, den Betriebshof für Heidelberg zu bauen, den wir brauchen, um den ÖPNV für die nächsten Jahrzehnte fit zu machen. Der neue Betriebshof wird genug Kapazitäten für den dringend benötigten Ausbau des Heidelberger Straßenbahnnetzes bieten und durch eine extensive Dachbegrünung auch hohen ökologischen Standards entsprechen. 

Bitte stimmen Sie deshalb beim Bürgerentscheid am 21. Juli mit NEIN!

Unterstützen Sie uns dabei und erfahren Sie mehr zum Thema auf der Website. Bitte diskutieren Sie in Ihrem Freundes- und Familienkreis und machen Sie sich auch selbst deutlich, wie wichtig dieses Projekt für einen zukunftsfähigen ÖPNV in Heidelberg ist. Wer am 21. Juli beim Bürgerentscheid in Heidelberg mit „NEIN“ stimmt, der stimmt dafür, dass sich der ÖPNV in Heidelberg weiterentwickeln kann. Eines ist heute schon klar: Scheitert das Projekt beim Bürgerentscheid am 21. Juli, dann bedeutet dies Stillstand für den ÖPNV in Heidelberg. 

Mit besten Grüßen

Martin in der Beek 

Kommentare

16. Juli 2019

Peter Groß

Etwas provokant gesagt: Die Leute die mit Nein stimmen, sollten eigentlich garnicht abstimmen.

Ich befürchte die JA Stimmen sind etwas in der Überzahl, d.h. wenn über 50% der Wahlberechtigten abstimmen, dürfte die Bürgerinitiative gewinnen (Quorum bei >50%).

Verhindern kann man das, indem man nicht wählt und das Quorum auf unter 50% senkt. Z.B. 70 000 gehen zur Wahl (von 100.000 Wahlberechtigten), davon sind 40000 JA und 30000 Nein. Ja gewinnt hier also.

Gehen die "Nein" nicht zur Wahl gibt es 40000 "JA" Stimmen, die aber nicht zählen, da unter 50% abgestimmt haben...

Dies gilt natürlich nur wenn es noch ein Quorum gibt,was ich nicht weiss. Gab es bei der Stadthalle... Da hat das Ergebnis gezaehlt weil 55% abstimmten.

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