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| Umwelt, Fortschritt

ÖPNV als Greenkeeper

Nachhaltig Bauen durch den Einsatz von Rasengleise

Nachhaltigkeit gilt auch beim Bauen

In den letzten Jahren rückten die ÖPNV-Unternehmen in Deutschland immer wieder in den Fokus, wenn darüber diskutiert wurde, wie Mobilität möglichst umweltfreundlich gestaltet werden kann. Und hier haben wir in der Tat als rnv einiges beizutragen. Ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz mit einem attraktiven Angebot führt dazu, dass viele Menschen vom privaten PKW auf den umweltfreundlichen ÖPNV umsteigen. Die Nutzung von Bus und Bahn wirkt sich unter anderem lokal in Form geringerer Stickoxid- und Feinstaubbelastung und global in Form eines geringeren CO2 Ausstoßes aus.

Leider gibt es all dies auch unter ökologischen Gesichtspunkten nicht zum Nulltarif. Denn sowohl beim Bau als auch beim Erhalt von neuen Strecken und Haltestellen bleiben Eingriffe in die Natur nicht immer aus. Insbesondere, wenn es darum geht, kilometerlange Gleisanlagen für neue Linien zu bauen. Dies ist meistens schlicht nicht möglich, ohne den ein oder anderen Baum zu fällen oder Flächen zu versiegeln. Solchen Eingriffen geht aber, zu Recht, immer ein politischer und juristischer Abwägungsprozess voraus, in dem unter anderem geprüft wird, ob die Vorteile einer neuen Strecke die Eingriffe wert sind. Am Ende eines Planfeststellungsverfahrens stehen daher in der Regel auch Auflagen, wie die Auswirkungen eines Bauvorhabens auf die Natur ausgeglichen werden müssen.

„…ich würde noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen“

So gilt es bei jeder Baumaßnahme zum Beispiel in Abstimmung mit den jeweiligen Naturschutzbehörden und spezialisierten Planungsbüros abzustimmen, wo wir welche Anzahl von neuen Bäumen pflanzen können. Denn es soll möglichst in unmittelbarer Nähe des Baufelds einen Ausgleich für Rodungen oder ähnliches geben. Bei einer Baumaßnahme von der Größenordnung einer Stadtbahn Mannheim Nord wurden zum Beispiel weit über 100 neue Bäume und gut 1500 neue Sträucher gepflanzt. Die Ausgleichspflanzungen bei der Stadtbahn Mannheim Nord konnten dann in großen Teilen auch direkt vor Ort, beispielsweise direkt an der Wendeschleife am Waldfriedhof, durchgeführt werden. Das sind Arbeiten, bei denen auch Entscheidungsträger und Politik gerne mithelfen. Wir geben zu: Es gibt Aufgaben – und auch Pressetermine – die unangenehmer sind. Dadurch, dass Neupflanzungen von Bäumen, Büschen und Sträuchern immer auch mit den Naturschutzbehörden abgestimmt werden, entstehen außerdem Möglichkeiten, auch ganz gezielt etwas zur Biotopverbesserung zu tun – sogar im städtischen Umfeld. Dies kommt dann beispielsweise auch Bienen und anderen Insekten oder Vögeln zu gute.

Nachhaltig Bauen durch Pflanzen neuer Bäume

Sogar die Gleise sind grün

Außerdem ergeben sich im Zuge von Neubaumaßnahmen oft auch Gelegenheiten, etwas für das Stadtbild und das Stadtklima zu tun: Wo immer es möglich und mit vertretbarem Aufwand realisierbar ist, setzen wir bei neuen Gleisanlagen auf sogenannte Grün- oder Rasengleise. Zugegeben, die Fläche unter den begrünten Gleisanlagen ist nach wie vor versiegelt, sieht dafür aber deutlich schöner aus. Außerdem schluckt die Schicht aus Rasen und Humus Lärm, speichert Wasser und sorgt für eine etwas bessere Luftzirkulation. Im Zuge der Umsetzung des „Mobilitätsnetz Heidelberg“ wurden auf diese Weise beispielsweise 16.000 Quadratmeter Gleis begrünt.

Nicht nur Juchtenkäfer haben berechtigte Interessen

Und oft ist es so, dass wir zu Beginn einer Baumaßnahme feststellen, dass das Baufeld bereits bewohnt ist, beispielsweise von Vertretern der Art Lacerta Agilis (vulgo: Zauneidechse). Ist dies der Fall, steht zunächst das Wohlergehen der kleinen Kriechtiere im Vordergrund, bevor der Bau beginnen kann. Da wir den Tierchen schwerlich klarmachen können, dass sie sich zumindest für die Dauer der Bauarbeiten ein neues Zuhause suchen müssen, gilt es, ein geeignetes Ausweichquartier für die Eidechsen zu schaffen und den Umzug zu organisieren. Beim Bau der Stadtbahn Mannheim Nord wurde dafür beispielsweise für eine Eidechsenpopulation ein eigenes abgezäuntes Areal mit künstlich angelegten Steinriegeln und Reisighaufen geschaffen, um den Eidechsen im Bereich unserer Gleise an der Boveristraße ein Refugium zu bieten. Beim Umzug mussten die von uns beauftragten Biologen zwar ein wenig mithelfen, im Ergebnis geht es den Zauneidechsen aber sehr gut. Das wissen wir, weil wir nach wie vor regelmäßig nachschauen, indem wir die Fortpflanzung der Echsen kontrollieren. Als Nachweis hierfür begnügen wir uns allerdings damit, die Jungtiere zu zählen und lassen den kleinen Wechselwarmen ansonsten ihre Privatsphäre. Die Population ist dort im Übrigen soweit gewachsen, dass die Tiere sich auch den Bereich direkt an den Gleisen zurückerobert haben. Die Bahnen scheinen Sie nicht zu stören – zumindest liegen uns diesbezüglich keine Beschwerden vor.  Auch für andere Tierarten, wie beispielsweise Fledermäuse oder Vögel, lässt sich im Kontext einer Großbaumaßnahme einiges tun.

Man sieht: Umweltschutz beschränkt sich im ÖPNV nicht nur auf die großen Zusammenhänge wie CO2-Bilanzen und Feinstaubwerte. Auch ganz kleinräumig und lokal kann man einiges für die Umwelt tun, wenn man beim Bau neuer Anlagen auch die ökologische Nachhaltigkeit im Blick hat.


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