Zurück zur Blogübersicht
| Umwelt, Fortschritt

Vom Steingarten zum Gleisgarten

Dieser Beitrag wurde von Florian Krämer (rnv-Auszubildender Fachkraft im Fahrbetrieb) erstellt und redaktionell bearbeitet vom rnv-Blog-Team.

Grüngleis statt Schottergleis

Preisgünstig, aber grau?!

Seit 2020 ist es amtlich, sie müssen weg: die Steingärten. Die Gründe sind auch durchaus nachvollziehbar. Optisch nicht unbedingt der Hammer, heizt sich recht schnell auf im Sommer, trägt wenig zum Abkühlen des Mikroklimas in der Stadt oder gar in der Straße bei – all das zahlt gerade im Rahmen des absehbaren Klimawandels nicht auf die Bewältigung der Folgen ein.

Dabei hat ein Steingarten praktische Gründe. Wenig Pflegeaufwand, ist kostengünstig und sieht im Vorgarten geordnet aus. Dass hier nichts wachsen oder der fallende Regen überhaupt nicht im Boden versickern kann – geschenkt! Genauso hat man im Verkehrswesen, zumindest im Schienenverkehr, bis vor einigen Jahren auch sehr lange gedacht. Doch auch hier setzt eine Trendwende ein. In den letzten Jahren haben wir bei der rnv mehr und mehr Grüngleis verbaut. Im Sommer haben wir bereits einen Blogbeitrag zum technischen Teil des Rasengleises veröffentlicht, der ist HIER nachzulesen.

In diesem Teil soll es um das jüngst abgeschlossene Erneuerungsprojekt Neckarauer Straße/Casterfeldstraße gehen. Die Schienenstrecke wurde 1953 eingeweiht, auf eigenem Bahnkörper und: mit Schottergleis. Damals dachte man so wie der Schottergartenbesitzer, es sollte möglichst preisgünstig in Bau und Unterhalt sein, einfach in der Handhabung und halbwegs modern. Man übernahm die Gleisbaukünste von der Deutschen Bahn, Hauptsache, das Wasser wird schnell abgeleitet und das Gleisbett ist stabil. Das Ergebnis: Ein aus heutiger Sicht etwas unschönes Schotterband, dass sich grau in grau optisch nicht viel von der Straße abhob. Naja, über Städtebau und Ästhetik machte man sich damals kaum Gedanken, ebenso wenig über die (Mikro-)klimatischen Folgen. Aus heutiger Sicht ist das nicht mehr der Stand der Technik.

Rasengleis mit sattem Grün

Deshalb wurden in diesem Jahr nun über zwei Monate hinweg die Gleise ausgetauscht. Aber nicht nur die, die komplette Gleistrasse erhielt ein Rasengleis. Die Neckarauer Straße ist hierbei ein perfektes Beispiel, warum Rasengleis bei neuen Bauten so wichtig ist. Schaut man sich den Querschnitt an, so ist auf Grund der Verkehrswege in dieser Straße kaum Platz für anderes Grün, weder für Bäume noch für Sträucher. Gerade in einer stark vom Autoverkehr genutzten Straße ist das Rasengleis so wichtig, denn zusätzlich zum grünen Farbtupfer sorgt es eben für angenehmeres Klima, insbesondere für die Anwohner.

Auch aus betrieblicher Sicht gibt es Vorteile, denn die wahrscheinlicher auftretenden heißen Phasen im Sommer sorgen auf lange Sicht dafür, dass sich die Gleise durch die Hitze ausdehnen und verformen. Das führt dann sehr häufig dazu, dass Züge aufgrund dieser Verformung langsamer fahren müssen, was uns und natürlich auch unsere Fahrgäste oftmals wertvolle Zeit kostet. Darum laufen schon Experimente bei der Deutschen Bahn hierzu mit weiß angemalten Schienen, welche weniger gut Wärme speichern und das Erhitzen des meist dunklen und damit schnell erhitzbaren Gleisbereiches verhindern sollen. Für uns bietet das Rasengleis hier eine ganz andere Lösung: Die Abschnitte mit Rasengleis, besonders die mit einem tiefliegenden (also in Rasen eingelassenen) Gleis, heizen sich bedeutend langsamer auf. Damit schaffen wir es, dass sich auf Streckenabschnitten mit Rasengleis kaum irgendwelche Verformungen ereignen. Außerdem wirken wir mit dem Rasengleis der Flächenversiegelung entgegen, etwa mit dem Verlagern von Schienen von der Straße oder von Pflaster in einen eigenen, begrünten Bahnkörper – so umgesetzt zum Beispiel bei den umfangreichen Umbauten Anfang der 2000er im Bereich MA-Kunsthalle oder 2007/2008 beim Umbau der Endhaltestelle Sandhofen.

Somit wird – wenn wortwörtlich Gras über die Sache gewachsen ist – die Neckarauer und auch die Casterfeldstraße, anstelle eines Steingartens, in wenigen Monaten mit Rasengleis in sattem Grün erscheinen. Das bedeutet für die rnv einen großen Nutzen, sowohl für die Betriebssicherheit als auch für unsere Kunden und jeden anderen Bürger – und das ganz ohne weiße Farbe, dafür mit ganz viel Grün.

In der Casterfeld- und Neckarauer Straße wurde die Basis für Sedumbepflanzung im Gleisbereich gelegt. Bald ist hier alles grün.

Grüngleis in der Entstehung
Gleise im zukünftigen Grüngleis
Grüne Begrenzung der Gleise

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar schreiben


* Pflichtfeld