Eine Straßenbahn ist, verglichen mit anderen Verkehrsmitteln, ein komfortables, ökologisches und leises Fahrzeug. Dennoch kann es vorkommen, dass Bahnen quietschen. Doch woher kommt das? Und was macht die rnv dagegen?
Auch Bahnen machen Geräusche
In den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten hat sich die in Bahnen verbaute Technik enorm weiterentwickelt. Barrierefreiheit, Fahrgastinformation und die grundlegende Ausstattung der Fahrzeuge wurden moderner – und so auch die komplexe Elektronik wie Fahrmotoren und Umformer. Die Bahnen wurden beim Anfahren und Bremsen immer leiser, was für die Fahrgäste, das Fahrpersonal sowie die Anlieger an Bahnstrecken einen enormen Pluspunkt darstellt. Ein dahingehender Vergleich zwischen einem Niederflurwagen aus den 1990er Jahren und einer modernen Rhein-Neckar-Tram (RNT) zeigt den Unterschied. Trotz des technischen Fortschritts in der Entwicklung der Fahrzeugelektronik sind Bahnen dennoch nicht komplett geräuschlos.
Das Befahren von Weichen oder Gleiskreuzungen ist ein gutes Beispiel. Je nach Geschwindigkeit, Gleiszustand, der baulichen Ausführung der Konstruktionen und sonstigen örtlichen Gegebenheiten sind Bahnen an diesen Stellen im Streckennetz lauter. Dies ist nicht gänzlich vermeidbar und ganz normal – schließlich ist dort die Schiene nicht durchgängig.
Ein weiterer Punkt, an welchen Bahnen situationsabhängig lauter sein können, ist während des Befahrens von Gleisbögen beziehungsweise Kurven. Hier „reibt“ Metall auf Metall, nämlich der Spurkranz am Fahrwerk der Bahn an der jeweils zur Kurvenaußenseite gerichteten Schiene. Hierbei entstehen Vibrationen und Reibung, was sich, je nach Enge der Kurve und Witterung, unterschiedlich laut bemerkbar macht. Wenn die Gleisanlage etwa trocken ist, ist das Quietschen lauter. Nach einem Regenschauer hingegen leiser. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle.
Auch die Bauart einer Bahn selbst beeinflusst die Geräuschentwicklung. Ältere Fahrzeuge, bei welchen starre Fahrwerke verbaut sind, erzeugen durch den „härteren“ Kurvenlauf eine bauartbedingt höhere Reibung als beispielsweise moderne Drehgestellfahrzeuge.
Ebenfalls wird durch regelmäßiges Abdrehen der Straßenbahnräder und dem Einsatz unserer Schleifwagen zum Glätten der Schiene das Rollgeräusch reduziert.

Hilfsmittel gegen Lärm
Natürlich gibt es auch diverse Techniken, welche die Geräuschentwicklung bei Kurvenfahrten teils deutlich reduzieren können. Zum einen spielt die Bauart der Gleisanlage eine Rolle: Wenn die Schienen in einem Rasengleis verbaut sind, wird dadurch Schall absorbiert. Dann sind die Geräusche, welche beim Befahren der Gleise auftreten, um Einiges geringer.
Auch kann durch den Einbau spezieller Schmieranlagen der Lärmpegel gesenkt werden. Hier unterscheidet man zwischen streckenseitigen und fahrzeugseitigen Anlagen. Bei Kurvenschmieranlagen, welche direkt am Gleis verbaut sind, wird beim durch Kontakte erfassten Annähern einer Bahn ein Schmiermittel auf den Schienenkopf und bzw. oder die Fahrkante aufgebracht. Dieses reduziert die Reibung, welche zwischen Rad und Schiene auftritt. Und weniger Reibung bedeutet auch weniger Geräusche.
Bei fahrzeugseitigen Anlagen ist die zusätzliche Technik, wie der Name bereits verrät, direkt im oder am Fahrzeug verbaut. Hier gibt es auch Unterschiede. Eine Spurkranzschmierung gibt ein Schmiermittel direkt auf den Spurkranz, einen Teil des Rades, ab. Dies erfolgt automatisch. Bei der Rhein-Neckar-Tram (RNT) ist eine sogenannte Schienenkopfbenetzungsanlage verbaut. Im Vorfeld wurden alle Gleisbögen und sensible Bereiche des Streckennetzes als GPS-Daten in der Bahn gespeichert. Sobald die Bahn erkennt, dass sie sich diesen Positionen nähert, löst die Anlage aus. Gezielt wird der Schienenkopf vor den Drehgestellen mit einem Trennmittel besprüht, welches, analog zu den anderen Techniken, die Reibung und Geräuschentwicklung merkbar reduziert.

Restgeräusche gibt es immer
Trotz moderner Technik lassen sich Geräuschemissionen nicht komplett vermeiden. Wie bereits oben beschrieben ist das Quietschen je nach Situation unterschiedlich und von der Witterung und dem Fahrzeugtyp abhängig. Auch können Störungen auftreten, welche die Funktionsfähigkeit der verbauten Anlagen beeinträchtigen. Diese werden zeitnah durch die Kolleginnen und Kollegen in den Werkstätten behoben.
Wichtig ist, dass Geräuschemissionen in den letzten Jahrzehnten spürbar zurückgegangen sind und dass auch weiterhin das Ziel besteht, möglichst ohne Quietschen durch die Stadt und die Region zu fahren – so gut es geht.
