Zurück zur Blogübersicht
| Mensch, Freizeit

Willkommen in Heidelwood

Wenn die Straßenbahn zum Filmset wird

Es ist eine der eher seltenen Anfragen an die Unternehmenskommunikation der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv): Kino-Regisseur Piotr Lewandowski, Cineasten bekannt aus dem Kinofilm „Jonathan“ und auch bereits engagiert als Tatort-Regisseur in Stuttgart („Hüter der Schwelle“), möchte zwei Szenen für seinen neuen Kinofilm „König der Raben“ in unseren Straßenbahnen drehen. Im laufenden Betrieb. Nachdem Crew und geplante Drehzeit etwas eingedampft sind bekommt die Produktionsfirma Riva Filmproduktion schließlich grünes Licht von rnv-Betriebsleiter Franz-Wilhelm Coppius. Vorrang hat schließlich die sichere und pünktliche Beförderung der Fahrgäste.

Dreharbeiten am rollenden Set

Los geht es schließlich an einem Dienstagabend an der der Haltestelle Christuskirche in Heidelberg. Der Weg ist das Ziel, immer hin und her auf der Linie 23, im abendlich etwas ruhigeren Betrieb, bis die zwei gewünschten Szenen „im Kasten“ sind. Das Drehbuch handelt von einem Jugendlichen aus Mazedonien, der ohne Papiere in Deutschland lebt. In zwei Szenen fährt er mit Freunden und seiner Freundin durch die Stadt. Es wird gequatscht, geknutscht und gealbert – wie es in der Bahn auch im echten Leben so zugeht.

Während der insgesamt rund vierstündigen Dreharbeiten quetschen sich die gut 15 Mitglieder der Crew mit Kamera- und Ton-Equipment, mobiler Maske, Requisitenkoffer, Set-Fotografin und vielem mehr in den Mittelteil der Bahn. Dank der ruhigen Fahrweise der Fahrer können die Szenen mit nur wenigen Wiederholungen gedreht werden. Für die Fahrgäste ist das Schauspiel zum Glück weniger Ärgernis, als willkommene Abwechslung. Viele fotografieren das interessante Geschehen und unterhalten sich mit der Filmcrew. Früher als gedacht ertönt das Kommando „Das war’s. Drehschluss!“

Die Weichenstellerin

Organisiert werden Drehorte wie die rnv-Bahn von der Produktionsfirma eines Films. Sie ist für den finanziellen, organisatorischen und personellen Teil eines Filmdrehs zuständig. Bei „König der Raben“ hat Isabella Nnaj die Rolle der 1. Aufnahmeleitung inne. „Wir sind die Weichensteller hinter den Kulissen und sorgen dafür, dass der Dreh reibungslos laufen kann“, sagt die 30-jährige Frankfurterin. Dafür holt sie Genehmigungen der Städte ein, klärt mögliche bauliche Veränderungen am Drehort, stimmst sich mit Polizei und Ordnungsamt ab – oder vermittelt zwischen den Wünschen des Regisseurs und den Vorgaben des regionalen Verkehrsunternehmens, das seinen Bahnen als Drehort zur Verfügung stellt. „Meinst du, wird könnten die Hausbewohner bitten, die Fahrräder wegzuräumen?“ Immer wieder kommen Mitglieder der Crew zu Isabella und stimmen sich ab, was erlaubt ist und was nicht. „Mein Job besteht vor allem aus Kommunikation mit den unterschiedlichen Beteiligten“, erklärt Isabella Nnaj. „Manchmal kann das frustrierend sein. Aber das Erfolgsgefühl, dazu beizutragen, dass mit dem Film etwas ganz Neues geschaffen wird, macht es wieder wett.“

Hinter den Kulissen

Einfach filmisch

Warum musste es eigentlich eine Straßenbahn als Drehort sein? Regisseur Piotr Lewandowski antwortet: „Eine Straßenbahn ist sehr filmisch. Filmischer als ein Bus.“ Da haben wir es, filmreif sind sie, unsere Bahnen. Bis „König der Raben“ tatsächlich fertig ist und in den Kinos läuft, kann es noch bis zu einem Jahr dauern. Was dann von den gedrehten Szenen übrig ist, entscheidet der Regisseur im Verlauf des Schnitts. Dann wird sich zeigen, wie filmisch unsere rollenden Filmsets tatsächlich sind. Wir sind gespannt.

Infobox

Wer sich über den Dreh und den Erscheinungstermin des Films „König der Raben“ informieren möchte, kann dies auf der Website von Riva Film tun: https://www.rivafilm.de/


Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar schreiben


* Pflichtfeld