Dieser Text wurde zuerst veröffentlicht im rnv-Mitarbeitendenmagazin “Wir”, Ausgabe 3/2025.
Der berufliche Alltag in der rnv ist oft anspruchsvoll. Zusätzlich bewältigen wir immer wieder Ereignisse, die über den ganz normalen Wahnsinn hinausgehen. Ein Blick hinter die Kulissen des rnv-Wurstmarkt-Teams des letzten Jahres zeigt: Mit vereinten Kräften läuft der Betrieb sogar im Ausnahmezustand reibungslos.
Der erste Wurstmarkt-Samstag ist in jedem Jahr die erste Belastungsprobe für das Wurstmarkt-Betriebskonzept. Die Vorbereitung für das nächste Jahr beginnt, wenn der letzte Wurstmarkt vorbei ist. Doch trotz des langen Vorlaufs und etlichen Jahren Erfahrung, muss während der Wurstmarktzeit mit allem gerechnet werden. Dafür gibt es einen erfahrenen rnv-Wurstmarkt-Koordinator, der seit zehn Jahren den ÖPNV-Betrieb beim größten Weinfest der Welt am Laufen hält.
Besuchermassen – und viele Weinschorlen
Bereits im Jahr 1417 sorgte der Vorläufer des Wurstmarkts in Bad Dürkheim und im Umkreis für Trubel. Mit der Eröffnung der Rhein-Haardtbahn im Jahr 1913 kamen die Menschen der Region auf einmal deutlich bequemer nach Bad Dürkheim – was zu einem erheblichen Besucherzuwachs führte. Heute ist der Wurstmarkt das größte Weinfest weltweit und zieht jährlich rund 600.000 Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt an. In den letzten Jahren fuhren im Schnitt rund 45.000 Fahrgäste pro Wochenende mit unseren Bahnen aus Mannheim und Ludwigshafen nach Bad Dürkheim. Und in der Regel mit einigen Weinschorlen im Magen (und im Kopf) wieder zurück.
Deshalb hat das rnv-Wurstmarkt-Team ein Konzept ausgetüftelt, mit dem sie auch mit alkoholisierten Massen klarkommen. Und bei jedem Wurstmarkt lernt es dazu. Alles ist sorgfältig geplant: Vom Großen – es werden ausschließlich 40-Meter-Bahnen eingesetzt, weil nur so genug Menschen transportiert werden können – bis hin zum Kleinen: So haben alle Beteiligten Gummibärchen dabei, weil sie stark deeskalierend wirken können. Im vorletzten Jahr kamen etliche junge Frauen auf die Teamleiter zu und bedankten sich, weil sie sich bei der Fahrt sehr sicher gefühlt hätten.

Der Wurstmarkt-Countdown läuft
1 Jahr vor dem Wurstmarkt
Müde Augen, aber glückliche Gesichter am letzten Abend des Wurstmarkts im Vorjahr: Es sind keine größeren Behinderungen oder Sachbeschädigungen zu verzeichnen. Im Rückblick hat fast alles reibungslos funktioniert, das System hat sich bewährt. Ein voller Erfolg!
3 Monate vor dem Wurstmarkt
Erste Vorbesprechungen finden statt. Die rnv arbeitet den Fahrplan aus und informiert die Stadt Bad Dürkheim über die diesjährigen Fahrtzeiten. Die Personalplanung für die Wurstmarktschichten beginnt. Hier sind Jahr für Jahr die gleichen rnvlerinnen und rnvler anzutreffen: Sie alle schätzen die besondere Stimmung und den kollegialen Umgang zu Wurstmarkt-Zeiten.
Damit alle gut gestärkt in die lange Nachtschicht gehen, wird auch für die richtige Verpflegung gesorgt. Eine Reinigungsfirma wird für die Zeit des Weinfests beauftragt: Sie bekommt ihren festen Platz in der Wendeschleife am Dürkheimer Bahnhof, um in den Bahnen aufzuräumen und diese - wenn nötig - zu reinigen.
3 Wochen vor dem Wurstmarkt
Die Mitarbeiter der Automatenwerkstatt treffen letzte Vorbereitungen, damit der Ticketkauf beim Wurstmarkt reibungslos funktioniert. Das Team der Gleisinfrastruktur inspiziert noch einmal die RHB-Strecke, ob alles gut aussieht und schneidet Wildwuchs zurück. Das bereitet unseren Fahrgästen einen schönen Empfang.
7 Tage vor dem Wurstmarkt
Das Wurstmarkt-Team trifft sich für eine finale Vorbesprechung. Es stellt sicher, dass alles Notwendige vorbereitet ist, bis hin zu den Taxis, die Fahrerinnen und Fahrer spät in der Nacht zurück zu ihren Fahrzeugen bringen, damit sie gut nach Hause kommen. Pragmatisch und konzentriert besprechen die Anwesenden, wie sie mit kurzfristigen Änderungen umgehen. Alle kennen das Fachgebiet, auf dem sie sich bewegen, bestens. Am Ende der Besprechung ist eindeutig klar, was in den nächsten Tagen zu tun ist.

Es geht los: Erster Wurstmarkt-Samstag
Haltestelle Maxdorf, 18:05 Uhr
Eine Teamleiterin und ein Teamleiter sind heute Abend als Standposten eingesetzt. Rund ein weiteres Dutzend rnv-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter stehen an den RHB-Haltestellen zwischen Oggersheim und Bad Dürkheim Bahnhof bereit. Ab jetzt fahren die Bahnen im 10-Minuten-Takt und immer mehr Fahrgäste steigen zu.
Ihre Aufgabe: Hilfe beim Einstieg leisten und Fahrtauskünfte geben. Wenn es später wird, verteilen sie auch Gummibärchen – zum Beispiel, wenn jemand in der Bahn rauchen möchte. Durch ihre Präsenz unterstützen sie die Fahrerinnen und Fahrer der rnv. Teilweise sind sie seit vielen Jahren beim Wurstmarkt dabei.

Bad Dürkheim Betriebshof, 18:30 Uhr
Zwei Werkstattmitarbeiter beheben im Betriebshof Bad Dürkheim eine Störung an einer Türsteuerung. In ihrer Bereitschaft greifen sie direkt vor Ort ein, falls eine technische Störung die Weiterfahrt einer Bahn aufhält. Klemmende Türen oder ausgefallene Leuchten kommen schon mal vor. Die Bereitschaft ist dann in fünf Minuten vor Ort. Die meisten Probleme können sie direkt beheben und vermeiden damit Ausfälle und Wartezeiten für die Fahrgäste.
Die Diesellok-Bereitschaft vergewissert sich noch einmal, dass Lok D02 fahrtauglich ist. Sie ist das doppelte Backup, falls eine Bahn abgeschleppt werden muss und es Probleme mit dem Fahrstrom gibt. Es gibt nur wenige bei der rnv, die so eine Lok fahren können. Glücklicherweise kommt sie jedoch selten zum Einsatz – sie schafft nämlich gerade mal 25 km/h Maximalgeschwindigkeit.

21:30 Uhr
Ein Verkehrsmeister der rnv rangiert die Bahnen in der Wendeschleife – und sorgt dafür, dass sich Busse und Bahnen nicht gegenseitig blockieren. Während er die Bahnen durch die enge Schleife fährt, können seine Kolleginnen und Kollegen aus dem Fahrdienst eine kurze Pause machen, ausspannen und zur Toilette gehen.
22:05 Uhr
Der Abend des rnv-Einsatzleiters hat in der Betriebszentrale begonnen, die während der Wurstmarkt-Wochenenden verstärkt besetzt ist. Danach geht es in Oggersheim weiter, wo die Massen in die Bahnen Richtung Bad Dürkheim strömen. Er wird bis 3 Uhr morgens vor Ort bleiben.
Wichtig ist, dass die Menschen am Einstieg direkt sehen: ‚Eine weitere Bahn steht schon bereit!‘ Dann werden Gedränge und Stress vermieden. Damit es so bleibt, sollte die Fahrt zudem bald beginnen – selbst, wenn es nur mit 10 km/h ist. In der Vergangenheit wurden teilweise Fenster oder die Innenverkleidung demoliert. Inzwischen verläuft der Wurstmarkt-Verkehr deutlich ruhiger. Das liegt vor allem an der hohen Präsenz der rnv und an dem Einsatz des freundlichen Teams. Sie alle helfen gerne mit.

23:10 Uhr
An vielen Haltestellen und in den Fahrzeugen sind Fahrausweisprüfer und Sicherheitsteams der rnv präsent. Unterstützt werden sie von einer externen Sicherheitsfirma. Diese sichert jede Tür mit zwei Personen, wenn die Menschen einsteigen. Allein ihre Anwesenheit sorgt für deutlich mehr Ruhe. Bei Gruppen, die schwierig wirken, steigen die Sicherheitsteams mit in die Bahnen ein. Im Notfall wird die Polizei dazu gerufen, die an den Festtagen starke Präsenz zeigt.

Bad Dürkheim Bahnhof, 00:30 Uhr
Die Männer einer eigens beauftragten Reinigungsfirma leisten in der Endschleife ganze und vor allem schnelle Arbeit. Allein am recht ruhigen Vorabend haben sie sieben Säcke Müll aus unseren Bahnen geholt. Schwierig zu entfernen seien vor allem kleine Verschmutzungen wie die Schalen von Sonnenblumenkernen berichten sie. Routinemäßig entfernten sie dagegen Erbrochenes spurlos – selbst von Sitzbezügen. So können die Fahrgäste, die zurück nach Hause fahren, in angenehm saubere Bahnen einsteigen, an der Endschleife ganze und vor allem schnelle Arbeit.
