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| Mensch, Technik

Don't call it Leitstelle!

Ein Einblick in die rnv-Betriebszentrale

In der Metaphernwelt lebenswichtiger Organe ist sie zugleich Herz und Hirn. Schließlich läuft nicht nur in ihren Schaltkreisen alles zusammen, es muss hier auch alles ganz bewusst koordiniert werden, wenn auch nur eine Kleinigkeit aus dem Ruder läuft. Einfach gesagt: Die Wichtigkeit der Betriebszentrale für den runden Ablauf des öffentlichen Verkehrs in der Metropolregion ist nicht zu unterschätzen. Wir möchten heute eine zentrale Institution im täglichen Verkehrsablauf vorstellen, die zwar im Prinzip bekannt ist, im Detail aber kaum durchschaut wird. Jeder kennt das Konzept als Ort, an dem alle Fäden zusammenlaufen, und nennt es in der Regel eine Leitstelle – dennoch betonen die Mitarbeiter unseres Nervenzentrums, der Name der eigenen Institution sei Betriebszentrale. Der Unterschied, einmal erklärt, ist relevant: Während eine Leitstelle Information, die sie beispielsweise per Funk erhält, sammelt, organisiert und zur Verarbeitung weitergibt, verfügt die Betriebszentrale über die technischen Möglichkeiten der Kontrolle und des Eingriffs und erteilt damit auch direkt Anweisungen.
Im Falle unserer Betriebszentrale bedeutet das ganz konkret einen möglichen Einfluss auf die Fahrzeuge aller Bus- und Bahnlinien sowie im Eisenbahnbereich (was bei uns weite Teile der Strecken auf der Linien 4 zwischen Ludwigshafen und Bad Dürkheim sowie der Überlandstrecken der Linie 5 umfasst) sogar die Regelung der Weichen, Signale und Fahrwege. Insgesamt sind das nicht zu wenige, schließlich sind zu den Hauptverkehrszeiten, wie dem morgendlichen Berufsverkehr, 420 Fahrzeuge (mit externen Verkehrsdienstleistern eingerechnet) auf den rnv-betriebenen Strecken unterwegs. Dafür muten die fünf, bald sechs Arbeitsplätze plus verantwortlichem Schichtleiter in der Betriebszentrale mitunter recht klein an.*

Krisenmanager für Probleme in jeder Größenordnung

So traurig es klingt: Die Arbeit in der Betriebszentrale ist vor allem an Missgeschick und Unglück gekoppelt. Wenn auf der Strecke für Busse und Bahnen alles läuft, dann bleibt es auch in der Betriebszentrale ruhig. Sobald aber etwas außer Ordnung gerät, wird hier in die Hände gespuckt. Die Koordination im Problemfall ist die Hauptaufgabe der Betriebszentrale – weshalb die Mitarbeiter sich stets bereithalten müssen, niemand länger seinen Arbeitsplatz verlassen darf und die Betriebszentrale rund um die Uhr das ganze Jahr besetzt bleiben muss.
Die Probleme reichen von einem falschen Fahrsignal über den liegengebliebenen Bus bis hin zum – klopf auf Holz – Unfall mit Verletzten. Neben der Beseitigung der eigentlichen Störung geht es darum, rund herum zu verhindern, dass die anderen Strecken durch dieses Problem ebenfalls gestört werden. Dabei wird eine strikte Reihenfolge beachtet: Zuerst werden, soweit benötigt, Krankenwagen, Polizei oder Feuerwehr koordiniert, danach die eigenen Einsatzkräfte. Auf der Schiene wird danach die Streckensperrung des betroffenen Abschnitts veranlasst, damit kein Fahrzeug mehr in den Störungsort hineinfährt und ebenfalls festsitzt. Dann werden Fahrer und Fahrgäste informiert. Letztere hören nun eine Durchsage in Bus oder Bahn, finden kurze Hinweise auf den Fahrgastinformationstafeln an den Haltestellen sowie in der App start.info.
Oberstes Gebot in der Koordination bei der Arbeit in der Betriebszentrale ist, dass der Fahrgast in den Fahrzeugen und an den Haltestellen so wenig wie möglich durch die Störung beeinflusst wird.  Selbst wenn das bedeutet, dass der Plan aller übrigen Fahrer ein bisschen durcheinandergeworfen werden muss. Die Prioritäten sind also klar.

Echtzeitkarten mit Korrekturfunktion

Im gesamten Zweig der Betriebszentrale arbeiten bei uns insgesamt knapp 60 Menschen, davon sind die meisten Verkehrsmeister, wie die Bearbeiter für den Ablauf von Straßenbahnen und Bussen genannt werden, oder Zugleiter, die jeweiligen Bearbeiter für den Eisenbahnbetrieb. Gearbeitet wird mit einem System, das auf Stadt- und Linienkarten die Fahrzeuge in Echtzeit anzeigt, in dem jedes einzelne Fahrzeug aufrufbar ist und mit dem Statusmeldungen wie etwa Verspätungen gecheckt werden. Auch Fahrtwege der Straßenbahnen und Busse können hier beeinflusst werden, wenn es erforderlich ist.

*Der sechste Arbeitsplatz wird noch in diesem Jahr hinzugefügt, dann nämlich ist die digitale Bedienbarkeit der Stellwerke des gesamten rnv-Streckennetzes aus der Ferne möglich. Der einsame Mitarbeiter, der derzeit noch das unterirdische Stellwerk in Ludwigshafen unter der Haltestelle Rathaus vor Ort bedient, wird dann in die Betriebszentrale nach Mannheim umziehen.


Kommentare

10. Februar 2019

Joseph

Eine zusätzliche 6 köpfige Abteilung für Fahrgastinfo, könnte bei besonderen Ereignissen die Fahrgäste in Millisekunden informieren. Kann mir nicht vorstellen dass die Mitarbeiter in der Betriebszentrale für solche Sachen zuständig sind und für sowas überhaupt die Zeit dazu haben.

09. Februar 2019

Peter Paul

Netter Artikel. Bleibt zu hoffen, dass es mit dem sechsten Mitarbeiter dann nicht mehr die üblichen >30 Minuten dauert, bis Fahrgäste erstmals informiert werden, dass sie wegen Fahrwegsversperrung nicht bedient werden können. Schneller hat es die RNV bei den letzten miterlebten fünf Ereignissen dieser Art nie geschafft.

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