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Zwei Verkehrsmeister wie Pech und Schwefel

Ziemlich beste Freunde

Die beiden Verkehrsmeister und Zugleiter Tobias Schandera und Marc-Hendrik Hartmann kümmern sich bei der rnv darum, in Abstimmung mit der Betriebszentrale den täglichen Verkehr im rnv-Verkehrsgebiet aufrechtzuerhalten. In den Funkwagen fahren beide zu den jeweiligen Störungen in der Region und sorgen dafür, in Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr sowie Rettungsdienst, oder auch internen Kräfte wie Operativplanung, Gleisbau, Fahrleitung oder Werkstatt, dass die Räder so schnell wie möglich wieder rollen. Die beiden Kollegen sind aber mehr als nur das: Aus diesem Arbeitsverhältnis hat sich ein ganz besonderes Freundschaftsverhältnis entwickelt. Als außergewöhnlich schönes Beispiel dafür, dass die werten Kollegen nicht nur die Menschen sein müssen, mit denen man eben arbeitet, haben wir die beiden für ein Interview getroffen. Das auf den ersten Blick ungleiche Paar – Tobias Schandera ist 31 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder, Marc-Hendrik Hartmann ist 22 Jahre alt und ledig – spricht mit uns über ihre Freundschaft am und abseits vom Arbeitsplatz.

Interview

rnv-Blog: Herr Hartmann, Herr Schandera, seit wann sind Sie beide bei der rnv?

Marc-Hendrik Hartmann: Ich habe am 1. September 2015 eine Ausbildung als Fachkraft im Fahrbetrieb angefangen und habe nach meiner Lehre seit Juni 2018 einen Mischarbeitsplatz, bei dem ich sowohl in der Betriebszentrale als auch im Fahrdienst arbeite.

Tobias Schandera: Ich habe in Heidelberg zuerst eine Lehre als Koch gemacht und auch als selbiger gearbeitet. Ich bin seit 2012 bei der rnv und habe als Straßenbahnfahrer in Heidelberg angefangen. 2014 ging es dann direkt weiter mit dem Busführerschein. Damit bin ich bis 2016 als Kombi Fahrer in Heidelberg gefahren und seit Oktober 2016 bin ich ein Teil der Betriebszentrale.

rnv-Blog: Woraus besteht Ihre Arbeit als Zugleiter bzw. Funkwagenfahrer dann genau?

Schandera: Ich bin für die Arbeitsplätze Heidelberg, Stellwerk Edingen und Käfertal sowie die Funkwagen in Heidelberg und Mannheim zugeteilt. Die Arbeit als Verkehrsmeister und Zugleiter ist ziemlich facettenreich. Es gibt Tage, da kommt eine Sache nach der anderen und man steht – meiner Meinung nach – unter einem positiven Stress. Außerdem hat jeder Arbeitsplatz in der BZ [Anm. Betriebszentrale] seine Eigenheiten, eine besondere Signalordnung oder eingleisige Strecken. Da muss man teilweise ein besonderes Augenmerk drauf haben, gerade bei Störungen wie Unfällen oder Fahrzeugdefekten.

Hartmann: Ich kümmere mich um den täglichen Verkehr in Mannheim und Ludwigshafen oder am Stellwerk Bad Dürkheim bis Ludwigshafen – je nach dem welcher Arbeitsplatz auf dem Dienstplan steht. Es gibt Tage, da ist es für uns eine sehr ruhige Arbeit in der BZ, wenn draußen alles gut läuft. Aber leider gibt es auch Tage, an denen häufen sich die Störungen. Ganz nach dem Motto "Eine Störung kommt selten allein". Auf dem Funkwagen ist man quasi das "Auge der Leitstelle" und fährt so zu jeder Betriebsstörung im jeweiligen Stadtgebiet. Außerdem fahre ich weiter Straßenbahn und fühle ich mich immer noch sehr wohl im Führerstand. 

rnv-Blog: Nun sind Sie ja mehr als nur Kollegen. Wie ist denn die Freundschaft am Arbeitsplatz entstanden?

Hartmann: Kennen gelernt haben wir auf Arbeit, da ich im Rahmen meiner Ausbildung auch mal in der Betriebszentrale war.

Schandera: Als sich dann raus kristallisierte, dass Marc seinen Werdegang in der BZ fortführen wird, haben wir uns immer öfter gesehen und haben auch gleich eine gute Sympathie zu einander gehabt mit den gleichen Ansichten und Interessen.

Hartmann: Tobi hat mich außerdem eingelernt auf dem Funkwagen in Heidelberg. Heidelberg war damals ein Stadtgebiet, welches für mich ein schwarzes Loch war. Wir hatten ein paar Dienste zusammen und er konnte mir das Stadtgebiet und seine Besonderheiten zeigen. 

Schandera: Im Laufe seiner Ausbildung in der BZ sollte Marc den FuWa [Anm. Funkwagen] Heidelberg machen und ich bekam die Ehre ihm dort alles zu zeigen und ihm die Besonderheiten in dem Gebiet näher zu bringen. Im Gegenzug bildete Marc mich auf dem FuWa Mannheim aus und hat mir da die Besonderheiten gezeigt.

rnv-Blog: Und wie zeigt sich eure enge Freundschaft dann am Arbeitsplatz?

Hartmann: Naja, wir organisieren uns. Also, obwohl wir unterschiedlich sind: Während Tobi morgens gerne Frühdienste macht, die ja schon ab 3.30 Uhr beginnen, ist es mir fast zu früh, wenn ich um 10 Uhr aufstehen muss zum Mitteldienst (lacht). Häufig schreiben wir uns noch spät am Abend, beziehungsweise für ihn dann früh am Morgen, wenn ich noch wach bin und er zum Frühdienst aufstehen muss. Aber Tobi hat seinen Ruhetagsrythmus auf meinen umgestellt, somit haben wir immer an den gleichen Tagen frei.

Schandera: Außerdem unterstützen wir uns natürlich: Je nachdem wer eine Störung hat wird vom anderen sofort zugearbeitet. Egal, ob es nur darum geht Telefonate abzuarbeiten, eine Meldung in unserem Dokumentationssystem anzulegen oder eine Fahrgastinfo zu schreiben. In unserem Team heißt es oft, wenn Marc und ich da sind, ist die Arbeit schon fast erledigt bevor die Störung überhaupt auftaucht, da wir uns super ergänzen… Natürlich gab es auch schon mal die ein oder andere Situation, bei der wir uns etwas angezickt haben, was aber nach dem Dienst bei einem Feierabenddrink schnell vorbei ist und dann wird darüber gelacht.

Hartmann: Ich weiß nicht mehr, wie es entstanden ist, aber ich denke mal, dadurch dass es blöd war jedes Mal nachzufragen "wie arbeitest du heute?“, habe ich ihm irgendwann angeboten, meinen Kalender auf dem Handy für ihn frei zu geben.

Schandera: Jetzt sieht der jeweils andere, welchen Dienst wer wann hat, sowie auch andere Termine die anstehen, wie bei mir Kinderarzt oder ähnliches.

Hartmann:(lacht) …was dann auch schon mal bei kurzfristigen geänderten Diensten dafür gesorgt hat, dass ich nachts um 2 einen Anruf von Tobi bekommen habe, ich hätte verschlafen und ich müsste doch zum Dienst. Dabei war eben mein Handy-Kalender nicht aktualisiert.

rnv-Blog: Sekretariat Hartmann-Schandera, also. Wie reagieren da die Kollegen in der Betriebszentrale?

Schandera: Am Anfang war unsere Freundschaft nicht so bekannt im Kollegenkreis der BZ. Nach und nach kamen dann die Kollegen, durch Erzählungen von mir und Marc dahinter das wir uns näher kennen und viel Zeit miteinander verbringen. Ein Teil der Kollegen hat das am Anfang etwas belächelt aber nach und nach sagten auch diese Kollegen das es schön ist, dass es sowas noch gibt, dass im Berufsleben so eine Freundschaft entsteht. Teilweise sagen die Kollegen, je nach dem wer von uns da ist: (lacht) „Na wo ist denn dein Schatten heute geblieben?“

rnv-Blog: Dann machen Sie offensichtlich ja auch privat ziemlich viel miteinander?

Schandera: Privat ist Marc oft bei uns. Wenn er da ist, wird gekocht, er spielt mit den Kids oder wir sitzen auf dem Sofa und unterhalten uns über Gott und die Welt. Meine drei Kinder sind begeistert von Marc und freuen sich jedes Mal, wenn er bei uns ist. Meine Frau hat Marc kennengelernt als ich Ihr damals von ihm erzählt habe. Sie sagte: „Ja dann bring den Jungen doch mal her, ich will sehen mit wem mein Mann noch Zeit verbringt“.

Hartmann: Man trifft sich echt häufig, ich fühle mich bei ihm quasi schon wie im zweiten Zuhause. Ich kenne seine Frau mittlerweile auch gut. Und mit seinen Kids komme ich super zurecht. Von der Jüngsten darf ich mich sogar Patenonkel nennen! 

rnv-Blog: Schön, dass so eine Freundschaft am Arbeitsplatz entstehen kann! Noch eine Frage aus gegebenem Anlass: Wie erleben Sie im Dunstkreis der rnv-Betriebszentrale die Corona-Krise? Was ist anders?

Hartmann: Es ist alles etwas anders und distanzierter. In der BZ wurden die mittleren Arbeitsplätze verlegt, sodass man ausreichend Abstand zum nächsten Arbeitsplatz hat. Die täglichen Begrüßungen per Handschlag fallen aus - es ist schon ein komisches Gefühl. Die Arbeit am Leitplatz ist weniger geworden, dadurch, dass weniger Verkehr unterwegs ist. Das merkt man schon. 

Schandera: Auch eine Corona-Krise kann nichts an einer Freundschaft wie dieser ändern. In der BZ ist eine teilweise angespannte Stimmung was das ganze angeht. Man kann, etwas beschmunzelt sagen, es liegt ein Duft von Desinfektionsmittel in der Luft (lacht). Ich versuche das ganze etwas entspannt zu sehen und mich nicht verrückt machen zu lassen. Das versuche ich auch während meinem Dienst den Fahrern zu übermitteln, die ja noch viel mehr mit der Sache in Kontakt kommen als ich in der BZ.

rnv-Blog: Herr Schandera, Herr Hartmann, vielen herzlichen Dank für das Interview.


Kommentare

19. April 2020

Grimm,Roman

Ein sehr tolles Interview !!!

08. April 2020

Sylvia

Das ist mal ein sehr angenehmer Beitrag.Es lässt einen das“Abstandsgefühl“ kurz vergessen.

08. April 2020

Silvia

Eine tolle Geschichte

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